Ein Gespräch mit Sebastian Voigt, Institut für Zeitgeschichte (München/Berlin), über manichäische Weltbilder, heuchlerische Friedensappelle und die guten Seiten der Wahlergebnisse.
Musikalisch unterbrochen von Beyoncé, Meridian Brothers und Horace Andy.
Viele mögen gerade grübeln, wem Sie ihre Stimmen bei den anstehenden Bundestagswahlen geben sollen oder, ob sie überhaupt an dem gesamten Vorgang teilnehmen möchten.
Die Zeiten, als es in linken Milieus en vogue war, die Option Wahlboykott unter dem Motto „wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie verboten“ in Erwägung zu ziehen, scheinen längst vorbei.
Und für die Älteren unter Ihnen, die diese Zeiten noch miterlebt haben, hat sich die Sinnhaftigkeit des nicht oder ungültig Wählens gegebenenfalls auch nicht konserviert.
Schon damals war diese politische Haltung durchaus von einem gewissen dichotomischen Weltbild geprägt: die da oben machen eh, was sie wollen, warum sollen wir uns dann an einer pseudodemokratischen Legitimationspraxis beteiligen?
Diese Haltung machte allerdings nur dann Sinn, wenn man mit dem Werben für das Ignorieren des Wahlzirkus‘ gleichzeitig eine gesellschaftspolitische Veränderungsperspektive verband. Der revolutionäre Umsturz der Verhältnisse ist aber bekanntermaßen ausgeblieben.
Eine Sendung zur Wahl, die einem von der politischen Klasse wirklich nicht leicht gemacht wird.
Den musikalischen Teil des Ambivalenzrahmens gestalten: Aynur, Dubioza Kolektiv, Khruangbin & Leon Bridges, Les Filles de Illighadad, Baloji & Mayra Andrade, Lizz Wright, Beyoncé & Dolly Parton.
Über die Linke kann man derzeit nur den Kopf schütteln. Wobei der Begriff „Linke“ selbstverständlich keinen monolithischen Block meint. Diese „Linke“ ist natürlich eine Ansammlung höchst unterschiedlicher Gruppierungen, Denkschulen, historischer Entwicklungen und Personen. Schon klar.
Wir reden in dieser Sendung also über den in diesem Sinne ideologischen Mainstream und die Diskurse, die gemeinhin dem Attribut „links“ zugeordnet werden.
Eines der lesenswertesten Bücher in diesem Kontext ist der von Vojin Saša Vukadinović herausgegebene Sammelband „Siebter Oktober Dreiundzwanzig“, erschienen im Berliner Querverlag.
Der Literatur- und Kulturwissenschaftler Marco Antonio Cristalli hat den dieser Sendung zugrunde liegenden Beitrag unter der Überschrift „Wie die Linke uns tatsächlich progressive Migranten verraten hat“ verfasst.
Die folkloristischen Gesangsdarbietungen stammen von: Sir Psyko and his Monsters, HorrorPops, Sick Sick Sinners, The Hellfreaks, Kitty In A Casket, Razorblade, Boneyard Rumble.
Wer sich die propalästinensischen Proteste, Aktionen und Provokationen seit dem 7. Oktober 2023 anschaut, wer die Zusammensetzung des antisemitischen Einpeitscher-Milieus beobachtet, kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Seit Israel nach den Massakern an Zivilisten militärisch gegen die Hamas vorgeht, protestiert die globale Linke gegen den jüdischen Staat. Dabei finden sich vermeintlich progressiv Gesinnte häufig an der Seite von Islamisten wieder. Es drängt sich mehr denn je die Frage auf, wo diese Allianz ihren Ursprung hat und wieso sie sich so hartnäckig hält.
Zur Klärung dieser Frage ist es hilfreich, sich mit dem politischen Islam und dem Islamismus zu beschäftigen. Klaus Blees vom Kompetenzzentrum Islamismus der Aktion 3. Welt Saar gab nach dem Anschlag von Solingen dem Sender Radio Dreyeckland Anfang September diesen Jahres ein Interview zu dem Thema. Dieses Interview ergänzen wir in der heutigen Sendung durch einen Beitrag des kurdischen Autors Peshraw Mohammed, der die verbreitete linke Kollaboration mit dem politischen Islam kritisiert.
An unsere Seite begeben sich außerdem: Halsey, Pixies, Noah Cyrus & Leon Bridges, Zaho de Sagazan, St. Vincent, Hurray for the Riff Raff und Lewsberg.
Wer derzeit linke Diskurse im Internet verfolgt oder politische Plakate in manchen Vierteln deutscher Großstädte betrachtet, könnte meinen, die 1980er-Jahre seien zurück.
Von »nationaler Befreiung« ist dort die Rede und dem Kampf der »Völker« gegen den Imperialismus. Das ‚Volk‘ ist zurück, ein Bezugspunkt, der in Teilen der Linken schon als überwunden galt. Doch warum hat die Terminologie des klassischen Antiimperialismus aktuell Konjunktur?
Dieser Frage widmet sich der Soziologe, freiberufliche Journalist und Autor des Buches »Kritik des Nationalismus«, Thorsten Mense, in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift iz3w unter der Überschrift „Rückkehr der Völker“.
In dem ersten Teil der heutigen Sendung lassen wir Sie an Thorsten Menses Einschätzungen teilhaben. Im zweiten Teil wollen wir uns dann basierend auf einem Beitrag von Christopher Wimmer in derselben Ausgabe mit der derzeitigen Situation der Selbstverwaltung in Rojava beschäftigen. Das dem Beitrag zugrunde liegende Buch findet sich unter: https://edition-nautilus.de/programm/land-der-utopie/
Es begleiten uns dabei: Hüsker Dü, Dead Boys, Fear, Beefeater, New Bomb Turks, Butthole Surfers, Dwarves, Minor Threat, Kultur Shock, Adolescents
Immer häufiger hören wir aus unserem sozialen Umfeld, dass von uns durchaus geschätzte Personen Nachrichten, gleich welcher Art und gleich durch welches Medium übermittelt, konsequent ignorieren bzw. den Konsum jeglicher Meldungen komplett eingestellt haben. Sie halten den globalen gesellschaftlichen Irrsinn, der dort vermeldet wird, nicht mehr aus, so die übereinstimmende Begründung.
Auch wenn wir diese Form des Eskapismus grundsätzlich nachvollziehen können, diskutieren wir in unserer Redaktion doch immer noch das globale und manchmal auch lokale Geschehen. Als abgebrühte Misanthropen und professionelle Schwarzseher müssen aber auch wir gestehen, dass so einiges an den weltweiten Entwicklungen und Vorkommnissen selbst uns irritiert zurück lässt.
Nehmen wir zum Beispiel die jüngste Adidas-Kampagne für den neuen Retro-Sneaker SL 72. Er sollte an die Olympischen Spiele 1972 erinnern und die Inhouse-Marketingabteilung fand es eine gelungene Idee, diese Erinnerung unter anderem durch die Markenbotschafterin Bella Hadid auszudrücken. Die Journalistin Marlene Knobloch hat in der Süddeutschen Zeitung zu diesem Irrsinn einen höchst anständigen Artikel verfasst…
Kopfschüttelnd mischen sich darüber hinaus ein: Meridian Brothers, Mare Advertencia Lirika & Tayhana, Young Miko & Jowell & Randy, BADSISTA, Karen y Los Remedios, Ali Kuru und Toy Selectah.
Was sich heutzutage links nennt, besteht in der Hauptsache aus einer vulgären dichotomischen Weltsicht antiimperialistischer Prägung, die aus den 1980er Jahren hinübergerettet wurde. Die globalen ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderungen der letzten 4 Jahrzehnte bleiben dieser Weltsicht verschlossen. Dazu treten universitäre postkoloniale Geschichtsdeutungen mit starkem Hang zur antisemitischen Hysterie sowie nach dem 7. Oktober ein Kulturmilieu, das, Arm in Arm mit der BDS-Bewegung, den Juden – soweit der sich nicht als Anti-Zionist versteht – aus dem öffentlichen und manchmal auch realen Leben entfernt sehen möchte. Progressive und emanzipatorische Denkrichtungen sind derzeit lediglich als Abwehrkämpfe präsent, so honorig sie auch im Einzelnen sein mögen. In Bezug auf die globalen sozio-ökonomischen Abhängigkeitsverhältnisse basieren die erstgenannten Denkmodelle auf der simplifizierenden Annahme, dass weltweite Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse allein auf dem Gegensatz zwischen Norden und Süden, zwischen entwickelter und nicht entwickelter Welt, basieren. Dieser Gedankenkosmos fußt zu einem erheblichen Teil auf der sogenannten Dependenztheorie, einem Versuch aus den 1950er und 60er Jahren, die weltweiten riesigen Unterschiede in den Entwicklungen von Ländern oder ganzen Kontinenten zu erklären und zu kritisieren.
Die Dichotomien werden ebenfalls durchbrochen von: Congo Cowboys, BCUC, Mdou Moctar, Bombino, Lalalar und Peter Somuah.