116 Tabu

Sie kennen das Problem sicher auch: alle sprechen über Ihr Thema, und im Gemurmel der allgemeinen Debatte möchten Sie sich Gehör verschaffen. Sie vertreten zwar keinen neuen oder bisher vernachlässigten Standpunkt; in ihrem vehementen Streben nach Distinktionsgewinn und um den bereits existierenden Diskurs zu dominieren, fehlt Ihnen jedoch der notwendige entscheidende Kniff.
Herzlich willkommen zu einer weiteren Lektion aus unserer beliebten 17grad-Sendereihe „Ratgeber Lebenspraxis“. Unser heutiges Thema: „Der Tabubruch – ehedem geächtet, heute geachtet“.

115 Erich Mühsam

Liebe Zuhörerinnen, geschätzte Zuhörer: wenn jemand der ehemaligen Reichs- und heutigen nur –hauptstadt weniger zugetan ist als der Bayerischen, wenn einer Vegetarier und andere Abstinent- und Verzichtler verspottet, wenn er es schafft, sich sowohl mit anarchistischen als auch mit kommunistischen Organisationen zu überwerfen, ohne politischen Verve einzubüßen, dann kann das kein so schlechter Mensch sein. Gewesen sein, müsste man genauer sagen. Denn der Anarchist und gleichzeitige Bohemian Erich Mühsam wurde 1934 von den Nazis im KZ Oranienburg ermordet. Dieser Tage erscheint nun der erste Band seiner Tagebücher im Berliner Verbrecherverlag. Die Berliner Morgenpost nennt dies ein literarisches Mammutprojekt, immerhin sind insgesamt 15 Bände und damit ca. 7000 Seiten geplant. Wir nennen es – bodenständig wie wir sind – großartig, wollen aber, wenn es um den vollbärtigen Zausel aus Lübeck geht, der während der Münchner Räterepublik so einiges auf die Beine gestellt und unter die Tische getrunken hat, von der Prämisse der werbefreien Sendungen Abstand nehmen: Sie hören in der Folge eine Reklame in Reinkultur, eine Hommage an den Autor mit seinen eigenen Worten quasi. Kaufen Sie diesen und die folgenden 14 Bände. Und wenn Sie dann noch Barmittel übrig haben: Sie wissen ja, wo Sie unsere Spendenaktion „Pate 2.0“ im Netz finden.

114 Frontex

Offiziell als "Europäische Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen" bezeichnet, macht FRONTEX häufig im Zusammenhang mit Grenzschutzmaßnahmen zum Zweck der Verhinderung irregulärer Migration von sich reden. Wir gehen im Interview mit Bernd Kasparek, dem Mitherausgeber des Buches „Grenzregime“, der Frage nach der Rolle, Funktion und Praxis von FRONTEX im Rahmen des eruopäischen Grenz- und Migrationsregimes nach.

113 Die Mitleidsindustrie

Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, wir begrüßen Sie zur 113ten Folge 17grad – Radio zur Anhebung des allgemeinen Wohlbefindens.
In unserer heutigen Sendung wollen wir uns einem Thema widmen, das uns Mitteleuropäern noch jedes Mal die Tränen in die Augenwinkel treibt. Wir wollen uns mit nichts weniger beschäftigen als mit dem weltweiten menschlichen Leid. Oder präziser gesagt: mit den Personen, mit den Initiativen und den Organisationen, die sich den Kampf gegen dieses Leid auf ihre Fahnen geschrieben haben. Wobei der Begriff „Kampf“ in diesem Zusammenhang dann doch eher unpassend zu sein scheint. Denn um gegen oder auch für etwas zu kämpfen, sollte man ja zumindest ansatzweise die Ursachen der Verhältnisse, gegen die man anzutreten vorgibt, analysiert und verstanden haben. Das kann man von den mannigfaltigen Organisationen und Initiativen, die weltweit gegen Hunger und Elend, gegen die Folgen von Katastrophen, Industrieunfällen und Kriegen antreten beziehungsweise diese Folgen einzudämmen versuchen, nicht immer behaupten.
Die Spendensammler, internationalen Helferkollektive, die karitativen Vereinigungen, die Hilfslieferservices und religiösen Unterstützerkomitees, sie alle sind schon aus Gründen des eigenen Raison d’être darauf angewiesen, dass fortwährend die medialen Bilder kolportiert werden, die einen ausreichenden Kapitalfluss für die gesamte Wertschöpfungskette der Hilfsökonomie sicherstellen.
Linda Polmann schreibt in ihrem Buch „Die Mitleidsindustrie“:

Spenden sie auch unter: www.weilwirdichbrauchen.de

112 Die Grenze

Im Allgemeinen markiert sie zunächst eine Unterscheidung. Sie erzeugt ein binäres System zwischen innen und außen, das sich im Räumlich-Geografischen manifestieren kann, aber auch im übertragenen Sinn auf zahlreiche Systeme und Situationen anwendbar ist. Sie definiert den inneren Bereich als eigen und zugehörig, alles außerhalb liegende gleichzeitig als anders und fremd.
17grad – Radio für schrankenloses Hörvergnügen präsentiert Ihnen heute eine Sendung zum Thema „Die Grenze“.

111 Der Herr ist kein Hirte

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

es ist erst wenige Wochen her, dass wir Ihnen auf diesem Sendeplatz mit der Folge 17grad – ich glaub’s ja nicht den Aufsatz „Die Gottespest“ von Johann Most vortrugen. Sie als Stammhörerin und –hörer werden sich sofort erinnern. Allein, das Thema Glauben an sich lässt uns nicht los. Es gibt zur Zeit wohl kein gesellschaftliches Großereignis auf diesem Planeten, dem nicht eine wahrnehmbare religiöse Komponente innewohnt. Ausgenommen vielleicht der momentane Klärungsprozess, ob die Kernenergie beherrschbar ist, oder eben nicht.
Ansonsten aber erscheinen uns die – wie sagt man so schön – Umwälzungsprozesse durchaus, ja geradezu ausnahmslos, religiös konnotiert. Manchmal muss man in derartigen Situationen innehalten und sich fragen, ob man hier nicht mal grundsätzliche, quasi fundamentale Einschätzungen vorstellen und diskutieren müsste. Sehen Sie, und weil auch Sie jetzt zustimmend mit dem Kopf nicken, haben wir uns gesagt: noch eins drauf! Es ist Zeit für die Religionskritik 2.0. In der heutigen Stunde 17grad – Radio gegen die Gegenaufklärung erleben Sie den Einstieg in die Frage, wie Religion die Welt vergiftet, basierend auf Ausschnitten aus Christopher Hitchens Buch Der Herr ist keine Hirte.

110 Schlaf

Was man ihm nicht gibt, holt sich sein Bruder, so heißt es.
Er ist Mutter der Porzellankiste und Vater aller Dinge in einem, so sagt man.
Dennoch bekunden lediglich Physiologen, Psychologen und Philosophen
ein gewisses wissenschaftliches Interesse für ihn – und wir, die Redaktion
17grad.
Hören Sie heute: Schlaf – das Ende der Freizeit.
Und verpassen Sie keinesfalls den zweiten Teil der 17grad-Radionovela
„Überall“.

109 Asbach-Bäumenheim (mit Radionovella)

Unseren Auftakt macht dieses mal unsere Radionovella „Überall“, verpassen Sie nicht unsere Sendung, wenn es heißt:

„Schon immer hat es Menschen gegeben, die für Ihre Überzeugung gekämpft und dafür das persönliche Wohlbefinden hintan gestellt haben. Männer und Frauen wie wir, deren Glück im Kampf für eine bessere Welt auf der Strecke zu bleiben droht. Dies ist Ihre Geschichte und so oder so ähnlich trägt sie sich zu. Täglich, überall.“

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

Mitte Dezember 2010 fand im bayerischen Asbach-Bäumenheim, das liegt in der Nähe von Mertingen oder auch Tapfheim, ist ja auch egal, jedenfalls fand eben da der Landesparteitag der Partei Die Linke statt. Es gab dort – so beschreiben es diverse Chronisten – so einiges an Tumult und Durcheinander. Kakophonie, der Lieblingsbegriff des vormaligen Bundeskanzlers Schröder, scheint dafür noch eine recht milde Bezeichnung zu sein. Die dort versammelten sich selbst mit hoher Wahrscheinlichkeit als irgendwie engagiert wahrnehmenden Personen schrieen und pöbelten durcheinander, dass es eine wahre Freude war. Zumindest für unbeteiligte Dritte wie die Redaktion 17grad – Radio für die Kritik der kritischen Kritik. Die anwesenden Parteigänger und -gängerinnen führten also einen derartigen Furor auf, dass sie noch nicht einmal zu einem ihrer Lieblingsthemen kamen, nämlich der Verabschiedung eines Beschlusses zur so genannten Palästinasolidarität.

Wie gesagt: alle pöbelten durcheinander und irgendwie schien es um einen Mann zu gehen, der, von seiner Erscheinung her nicht übermäßig sympathisch daher kommend, ein sicheres Plätzchen auf dem Podium inne hatte. Viel mehr eröffnete sich für uns als anwesende Öffentlichkeit nicht, denn nicht nur die rüpelhaften Diskurspraktiken innerhalb des Durcheinanders machten die Identifikation der inhaltlichen Ebenen fast unmöglich, auch die Sätze, die wir letztendlich, zumindest der Worte nach, verstanden, wollten oft keinen rechten Sinn ergeben.
Zurück an  unserem oberbayerischen Stammsitz in München ließen wir die Aufnahmen, die wir mit unserem kleinen und daher gut zu versteckenden Aufnahmegerät getätigt hatten, Revue passieren.

108 Die Gottespest

Das Thema „Religion und Gesellschaft“ ist zur Zeit ja geradezu unerhört in Schwange.
Dennoch waren wir ziemlich von den Socken wegen der Flut von Zuschriften, welche uns als Reaktion auf unsere letzte Sendung zu diesem Thema erreicht hat.
Damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.
Von „Danke, weiter so“ über „Ihr armen verirrten Lämmer“ bis hin zu „Ihr werdet alle in der Hölle schmoren“ war eigentlich ziemlich alles dabei, auch eine Büchersendung des Gideon-Bundes.
Es überwog – bei aller Vielfalt – jedoch Ihrerseits, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, der Wunsch, das Thema nicht ruhen zu lassen.
Na gut, sagten wir uns: An die Arbeit.
Und kurz darauf sagten wir uns: Was in Dreiteufels Namen gibt es zu diesem Thema denn zu sagen, was kluge Köpfe im Laufe von Jahrhunderten nicht schon aufs Scharfsinnigste dargelegt hätten.
Und so frugen wir uns unverzüglich: welch Sinn es machte, quasi das Rad neu zu erfinden.
Und es erging der Redaktionsbeschluss: Lasst uns froh und munter zusammenkommen in dieser stillen Zeit, bei Kartoffelsalat und Würstchen, und uns anhören, wie sich Johann Most 1883 zum Thema äußerte.
Und so finden wir uns heute wieder, in trautem Kreis und heimeliger Atmosphäre, und lauschen der Schrift „Die Gottespest“. Viel Vergnügen.

107 Stuttgarter Bahnhof

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, herzlich willkommen zu einer Stunde 17grad – Radio gegen die Regression der Antimoderne…

Warum setzen sich eigentlich derzeit so viele engagierte Bürgerinnen und Bürger für einen Architekten wie Paul Bonatz, genauer für den Erhalt eines seiner Bauwerke ein, wo Bonatz doch den reaktionären, antimodernen Zug deutscher Architektur repräsentiert? Da wir immer bestrebt sind, das Gute im Menschen zu sehen, ja, die Hoffnung nicht aufgeben, dass das Licht der Aufklärung irgendwann auch das schwäbische Hinterland erreichen könnte, möchten wir Ihnen in der folgenden Stunde ein wenig von Paul Bonatz, seinem Beitrag zur Architektur des Nationalsozialismus und seinen mangelnden Sinn für Ästhetik berichten.