106 Ich glaubs ja nicht

Von einem erbitterten Kampf gegen das Christentum in westlichen Gesellschaften spricht Kardinal Meisner und von gesellschaftlicher Verfolgung daselbst. Gleichzeitig werden vermehrt von Auto-Rückspiegeln baumelnde Rosenkränze gesichtet, und der Devotionalienhandel boomt. Nur eine Frage der Zeit – so steht zu befürchten – dass das Wadenbein des heiligen Fidelis von Sigmaringen bei eBay angeboten wird.

Der demissionierte Bundespräsident Köhler entblödet sich nicht, als für ihn wichtigstes Buch – nein, nicht das Grundgesetz sondern die Bibel zu nennen, und bei der Suche nach einem Amtsnachfolger wird halböffentlich die Konfessionszugehörigkeit als wahlrelevant diskutiert.

Die Autoaufkleber-Industrie verzeichnet phänomenale Umsatzsteigerungen, und das nicht mit popligen „Sylt-„, „Ich hab die Schnauze voll“- oder „Baby und/oder Golden Retriever an Bord“-Motiven. Nein: der Fisch ist es und der ist – so weiß es die Legende bzw. Henrky Sjenkjewitschs Sandalenschinken „Quo Vadis?“ zu berichten – geheimes Erkennungszeichen der brutalstmöglich verfolgten Frühchristen.

Die großen christlichen Kirchen sind neben dem Staat der größte Arbeitgeber der Bundesrepublik Deutschland, der Gideonbund verteilt weiterhin ungebeten in Schulen, Justizvollzugsanstalten und Krankenhäusern Bibeln – inzwischen sind es über 20 Millionen Stück – und das weltweite Hilfswerk päpstlichen Rechts „Kirche in Not“ wirft die Prayerbox auf den Markt; ein kleines Döschen, das in jede Tasche passt und eine 10-Perlen-Rosenkranz, ein „Kreuz der Einheit“, ein Weihwasserfläschen und Grundgebete auf Deutsch, Englisch und Italienisch enthält – also quasi die Eiserne Ration für den Katholiken.

Auch gepilgert wird seit längerem wieder – und zwar auf Teufel komm raus und so massiv, dass jede Gemeinde, die etwas auf sich hält, auf puren Verdacht hin den vormals möglicherweise durch ihre Gemarkungen führenden Elisabethenpfad, Bonifatiusweg oder was auch immer rekonstruiert und mit schmucken Wegweisern und Gedenktafeln versieht.

Es steht schlecht um die Gesellschaft und den laizistischen Staat, hören Sie also heute – ehe es bei uns Matthäi am letzten ist – aus der Reihe „17grad – ach du lieber Gott“ eine Sendung zum Thema „Ich glaub’s ja nicht“.

105 Lyr-Ick

Hallo und herzlich willkommen zu einer Stunde 17grad, Radio gegen den Kulturverfall.

Es liegen anstrengende Wochen hinter uns, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Wochen, in denen die Redaktion sich durch Berge von Einsendungen zu unserem Wettbewerb „Junge deutsche Lyrik“ wühlen musste. Wochen, in denen das ein oder andere Mal ein „Scheiß doch auf Reime!“ aus den Tiefen der Redaktionsräume zu hören war. Aber auch Wochen, in denen uns immer wieder das Herz aufging, in denen es Momente von unglaublicher Schönheit und Poesie gab.

Heute nun ist es so weit, heute dürfen wir Ihnen unsere Shortlist des 17grad Lyrikpreises 2010 präsentieren. Unter dem Motto „Lyr-Ick“, also geschrieben Lyr, L Y R, wie Lyrik und „Ick“, I C K, wie der junge hippe Berliner für „Ich“ zu sagen pflegt. Aufgerufen waren also junge Künstlerinnen und Künstler, die daran glauben, dass Lyrik, Poesie, dass Dichtung auch im 21. Jahrhundert noch etwas zu melden hat. Ja nicht nur dass, sondern dass sie benötigt wird, dass sie uns entführen kann, in eine Welt der Schönheit und der Träume. Dass sie aber auch Missstände anprangern kann, dass sie sie sagen kann, wie einer der Wettbewerbsteilnehmer schreibt: „Moment mal, so kann das nicht weitergehn, da fällt ein Sack Reis um und keiner bliebt stehn“ – ein Beitrag, der es leider nicht in die Shortlist geschafft hat, der uns aber dennoch in seinem authentischen Aufbegehren tief beeindruckt hat.

Die Auswahl ist uns nicht leicht gefallen, das können Sie uns glauben, doch nun übergeben wir die leidige Aufgabe an Sie, liebe Hörerinnen und Hörer. Mailen Sie uns die Nummer Ihres Favoriten an chefredaktion@17grad.net. Dem Gewinner winkt der goldene Ehrenwimpel der 17grad Academy und ein Essenspaket des Deutschen Blutspendediensts.

104 Loch

Anderslautenden Gerüchten entgegen ist immer noch Sommer. Sauregurkenzeit also.
Und wir haben nun endlich die Muße gefunden, uns einem Begriff zu widmen, der in Phasen brodelnder Betriebsamkeit regelmäßig mit Missachtung gestraft wird. Der Arme.

Und weil es nun ja – wie erwähnt – immer noch Sommer ist, nähern wir uns diesem Begriff mit sommerlicher Leichtigkeit, gaaaanz verspielt und locker.

Es ist Sommer – Loch ist das Thema.

103 Misathropie und Literatur

Ich wache auf mit derart böser Lau
ne, dass ich gleich irgendeinem in die Freusse hau
e und ihm die blöden Knochen breche
und ihm ein Schmerzensgeld dafür nicht bleche,
der wiederlichen Sau!

Sondern ihm noch eins in die  Eier zwie
ble, dass er vom Stuhl fliegt mit der Fresse auf die Die
le und ihm sein arrogantes Grinsen
vergeht und wirklich keiner mehr noch hinsehn
will auf das dumme Vieh!

Wenn ich ihm dann in die Visage pin
kle und ihm beim höchst mühsamen Weghinken zuwin
ke und langsam gute Laune kriege
weil mit das gut tut, wenn ich wen besiege
ist klar: der Tag haut hin!

Es ist der Humanist, ja der Ästhet
der weiß, was gute Laune ist und wie sie geht.

102 Bundespräsidentenwahl

Herzlich Willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zum ersten Concour Eurovision d`Élection du Président de la République Fédérale d’Allemagne live aus dem Volkshochschulhofpalast in Berlin.
Zehn Kandidatinnen und Kandidaten treten zur Wahl des Deutschen Bundespräsidenten an; sie befinden sich bereits in ihren schalldichten Kandidatenkabinen, nur per Funk mit der Außenwelt verbunden, um jegliche Manipulations-Möglichkeiten zu unterbinden. Fünf deutsche Städte sind zur Wahl eines der Kandidaten aufgerufen – und Sie sind live dabei. Also viel Spaß, wir sind gespannt auf eine Wahlpartie, die keine Wünsche offen lassen dürfte.

101 FIFA

Willkommen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, zu einer Stunde 17grad – Radio wider den Sportsgeist.

In wenigen Wochen beginnt in Südafrika die Fußball-Weltmeisterschaft.

Dass Schwarz-Rot-Goldene Horden beileibe nicht das einzige sind, was beim Kräftemessen der nationalen Mannschaften zum Brechen reizt, damit beschäftigen wir uns in den kommenden 60 Minuten: Wir erzählen Ihnen die unrühmliche Geschichte der FIFA bei den nicht weniger unrühmlichen Fußballboykotten gegen Israel und einige andere politische Kuriositäten.

100 The Battle

Herzlich willkommen bei 17grad – Jubelradio. Anläßlich der 100. Sendung hören Sie heute:
17grad – Interaktiv
Zwei Redaktionen, zwei Kanäle, eine Sendung.
Setzen Sie die Schwerpunkte! Bestimmen Sie die Inhalte! Ergreifen Sie die Gelegenheit!
Mit einem einzigen Dreh am Balance-Regler beziehen Sie Stellung und positionieren sich im Spannungsfeld zwischen Nord und Süd, zwischen Radler und Alsterwasser, zwischen Hamburg und München.

Mixt Version (wie im Radio gespielt!)

Die Redaktion Hamburg über München:

Und als krönender Abschluss macht die Redaktion München Hamburg ein:

52 Vagabunden

Viereinhalb Jahre lang wurde sie ignoriert: Die verschollene Sendung Nummer 52 – nie gesendet, nie aufgenommen, nie konzipiert. Das „Warum“ muss wohl eines der großen Rätsel der Menschheitsgeschichte bleiben.

Jetzt endlich ist es soweit: In Hinblick auf die im April anstehende 100. Sendung 17grad war es uns ein Grundbedürfnis, die schmerzende Lücke in unserer Sendungshistorie zu schließen.

99 Rambo

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: wem unsere letztjährige Reihe zum Thema „Deutschland“ noch in Erinnerung ist, dem wird unsere Affinität zum Film ebenfalls noch präsent sein.
Nach den antisemitischen Konotationen der deutschen Heimatfilme nach 45 und dem größten Desaster der Zelluloidgeschichte „Deutschland – der Film“ beschäftigen wir uns heute mit einer Filmreihe, die, mit den geeigneten Werkzeugen untersucht und interpretiert, in völlig neuem zivilisatorischen Licht erscheint. Freuen Sie sich auf 60 Minuten mit John Rambo durch die Dialektik der Aufklärung.